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Test: iAudio x5l mit Rockbox
Wer meinen ersten Bericht zum X5L gelesen hat, der weiß, dass mich an diesem Gerät, einige kleine, aber nervige Sachen stören. Und der weiß auch, dass ich schon eine Weile die Entwicklung des Rockbox-Projektes verfolge. Da versucht nämlich ein große Community eine alternative Firmware für ein Vielzahl von Audioplayern zu erstellen. Seit einiger Zeit gibt es nun auch endlich den Bootloader für den X5, der nötig ist, um Rockbox überhaupt zum Laufen zu bringen. Nachdem ich eine Weile skeptisch gewartet und das Forum aufmerksam gelesen habe, hab ich nun endlich Rockbox auf mein Gerät aufgespielt. Und, kurz zusammengefasst: Rockbox rockt!
Zu Risiken und Nebenwirkungen...
Warum ich solange gewartet habe? Nachdem Rockbox nicht die Original-Firmware ist und auch in keiner Weise mit Cowon zu tun hat, übernimmt der Hersteller natürlich für ein derart „gepachtes“ Gerät keine Garantie mehr. Und, nachdem Rockbox vollkommen „handgemacht“ ist, kann man auch nicht ausschließen, dass ein Programmierfehler das Gerät unbrauchbar macht. Daher gleich eine Warnung vorweg: Wer es mir nachmachen will handelt auf eigene Gefahr. Ich habe zwar keine Probleme gehabt und auch von keinen gelesen, aber man kann nie wissen.
Music killed the Video (Star)?
Hat man Rockbox auf dem X5 muss man leider auf die tolle Videofunktion verzichten, aber das nimmt man gerne in Kauf, wenn man die Vorteile sieht:
- Gapless-Playback
- ID3-Tag-Datenbank
- modifizierbare Oberfläche
- je nach Oberfläche auch Cover-Anzeige
- sehr viele Parameter einstellbar
- Resume auch nach Verbindung zum Computer
- viele kleine Plugins
Zuerst einmal das Wichtigste, weil hörbar: Gapless -Playback, also lückenloses Abspielen von aufeinander folgenden Titeln. Hat man sich mit der Cowon-Firmware eine Mix-CD angehört, auf der die Titel ineinander übergehen, so war zwischen den einzelnen Tracks immer eine kleine Lücke, eine störende Pause, die zudem noch den durchgängigen Rhythmus zerstört hat. Das gibt es mit Rockbox nicht mehr. Es hört sich an, als ob die ganze CD eine einzige Datei wäre und das egal in welchem Format. Nur bei Wave, also unkomprimierten Dateien, scheint ein Stück des Tones um die Titelgrenze herum abschnitten zu werden. So kommen sich zwei Beats um grob eine halbe Sekunde zu nahe, was dann auch wieder störend ist. Aber warum Platz mit Waves verschwenden wenn FLAC abgespielt wird? Im Anhang gibt es wieder eine kleine Hörprobe, mit der sich jeder selbst sein Bild machen kann. Bei einigen MP3s, die nicht von LAME sondern von anderen Encodern komprimiert wurden ist immer noch eine kleine Unterbrechung zu hören, die sich aber fast nicht störend bemerkbar macht.
Die Musiksammlung wird mit Rockbox deutlich übersichtlicher, da man nun auch nach ID3-Tags sortieren kann. Aber nicht muss. Wer mit seiner Verzeichnis-Struktur zurecht kommt, darf weiterhin direkt durch alle Dateien navigieren. Wer aber lieber nach Tags sucht, der kann das nicht nur in alphabetisch geordneter Reihenfolge, sondern auch nach freien Suchbergriffen. Die werden dann wie bei Konsolenspielen per Joystick eingegeben indem man jeden Buchstaben einzeln auswählt. Nicht schön aber nützlich. Zudem kann man sich auch alle Tracks anzeigen lassen, die man schon lange nicht mehr gehört hat oder die man am häufigsten hört.
Das Beste aber ist, dass die ID3-Tag-Datenbank nicht am Computer erstellt werden muss oder bei der Übertragung der Dateien auf das Gerät per Spezial-Software, sondern von der Firmware selber erstellt wird. Auf Wunsch werden bei jedem Anschalten alle Änderungen übernommen, aber wesentlich sinnvoller ist es, das Datenbank-Update manuell anzustoßen, wenn man neue Musik aufgespielt hat. Wer jetzt seine Musik schön mit Tags versehen hat, der freut sich.
Wenn man zum ersten Mal die neue Firmware aufspielt und den X5 anschaltet, ist man ein wenig enttäuscht. Denn die Oberfläche ist nur in Schwarz-Weiß und sieht doch recht nüchtern aus, vor allem im Vergleich zum Original. Aber das ist kein Problem, denn im Internet gibt es eine große Gemeinschaft zu Rockbox und wer nicht gerade an der Software selber programmiert, erstellt eigene schöne WPS („While Playing Screen“, so heißen die Oberflächen). Hier ist alles geboten, von Ipod-Kopien bis hin zu äußerst schicken, halb transparenten Layouts, die zudem noch das Album-Cover anzeigen, wenn es vorhanden ist. Dummerweise verlassen sich einige der schönsten WPS auf ein paar Modifikationen in der Rockbox-Firmware, die (noch) nicht in der normalen Version enthalten sind. Daher empfehle ich, die Firmware von einer alternativen Seite zu beziehen, auf der alle nötigen Patches schon enthalten sind.
Die neue Firmware erlaubt zum Teil sehr feine Einstellungen für sehr viele Parameter. So kann man anpassen, wie lange die Hintergrundbeleuchtung an bleibt, und das in Abhängigkeit davon, ob der X5 geladen wird oder nicht oder per Hold geschützt ist. Auch die Zeit, bis die Platte ausgeht, lässt sich einstellen und vieles mehr. Leider ist die Dokumentation nicht immer ganz aktuell, so dass man teilweise nicht weiß, was einzelne Menüpunkte bedeuten.
Eine sehr wichtige Sache ist auch die besser Resume-Funktion. Diese funktioniert auch, nachdem das Gerät am Computer angeschlossen war. Und sie merkt es sich auch, wenn vor dem Ausschalten gar keine Musik mehr lief. Drückt man auf Pause, so wird die Musik auf Wunsch langsam ausgeblendet und bei erneutem drücken der Taste wieder eingeblendet.
Von teilweise fraglichem Nutzen sind die vielen mitgelieferten PlugIns, viele davon sind Spiele, andere eher technische Demonstrationen, was möglich ist. Die Spiele sind recht nett, nur sollte man sie dem Steuerkreuz zu liebe nicht zu oft spielen.
Und das Beste zum Schluss: auch auf Videos muss man nicht mehr verzichten, das entsprechende Plugin ist schon in der Entwicklung!
Im täglichen Gebrauch
Nach dem Aufspielen der Rockbox-Firmware muss man sich erst mal erheblich umstellen. Das fängt damit an, dass der X5 sofort an geht, wenn man den Schieber nach oben drückt und nicht erst nach einer Sekunde. Das geht weiter damit, dass man die Dateiansicht nicht durch Drücken der Record-Taste verlässt, sondern durch Drücken der Play-Taste. Und das die Kontextmenüs nicht mehr zusätzlich eingeblendet werden, sonder als eigenständige Menüs. Dann reagiert in der Standard-Einstellung der X5 beim ersten Tastendruck nicht, sondern macht nur die Hintergrundbeleuchtung an.
Aber wenn man alles eingestellt hat und sich ein wenig an die Bedienung gewöhnt hat, lässt sich der X5 genau so einfach nutzen wie mit Firmware von Cowon. Und man freut sich an dem vielen Sachen, die jetzt gehen und die eigentlich für einen Player dieser Klasse selbstverständlich sein sollten.
Und wie mach ich das jetzt?
Wer seinem X5 auch was Gutes tun will, der liest zuerst nochmal meine Warnung weiter oben durch! Alles auf eigene Gefahr!
Dann geht es auf die alternative Firmware-Seite und dort zur aktuellen Version mit allen nötigen Patches. Zudem wird noch der X5 Bootloader von der Rockbox-Seite benötigt.
Jetzt wird der X5 an den Computer angeschlossen und der Bootloader in das Firmware-Verzeichnis geschoben. Dann wird die ZIP-Datei mit der eigentlichen Firmware entpackt und auf die Platte des X5 kopiert. Dabei muss die Datei „rockbox.iaudio“ auf die unterste Ebene der Festplatte und der Ordner „.rockbox“ ebenfalls. Jetzt noch den WPS „boeselhack_v1.02“ runter laden und in das Verzeichnis „.rockbox“ entpacken.
Verbindung zum Computer trennen, X5 mit den Netzteil verbinden und kurz warten, bis das Firmware-Update fertig ist. Jetzt kann er wieder vom Strom getrennt werden. Das Gerät wieder einschalten, über das Rockbox-Logo freuen und nach kurzer Wartezeit die Record-Taste drücken. „Browse Themes“ auswählen und „ boeselhack_v1“ aktivieren. Jetzt hat man eine schöne Oberfläche, die einem viele Infos gibt und auch das Album-Cover anzeigen kann. Dazu muss es im aktuellen Ordner eine Datei mit dem Namen „cover.bmp“ geben, welche genau 75x75 Pixel groß sein muss. Das aber entspricht exakt den Vorschaubildern bei Amazon. Diese sind allerdings alle im Format JPG, aber das lässt sich leicht konvertieren.
Tief im Menü (General Settings - System - Battery - Battery Capacity) lässt sich auch die Kapazität der Batterie einstellen. Dies hat keine Auswirkung auf die Laufzeit, sondern macht nur die Anzeige der Restlaufzeit genauer. Beim X5L, also der Version mit großem Akku, sollte der Wert auf „2250 mAh“ stehen. Heißt es zumindest in den Foren. Ob das stimmt, lässt sich wohl nur durch Aufschrauben ermitteln.
Fazit
Es lohnt sich. Und vor allem wird die Rockbox-Firmware weiterentwickelt, was man von der von Cowon nicht sagen kann. Wer seinen X5 wie ich als externe Festplatte für seine Musiksammlung verwendet und diese Sammlung sich auch ohne PC anhören will, auf Videos aber verzichten kann, für den ist Rockbox genau richtig. Ein wenig Mut zum experimentieren sollte man schon haben und auch keine hundertprozentige Usability erwarten. Auch sollte man nicht erwarten, dass irgendwann DRM-geschützte Musik laufen wird.
Links zum Thema
- http://www.rockbox.org/ - Die Homepage von Rockbox
- http://rockbox.webhop.org/ - Rockbox für den X5 mit allen Patches
- http://www.rockbox.org/twiki/bin/view/Main/IaudioBoot - Der Bootloader für den X5
- http://www.rockbox.org/twiki/bin/view/Main/WpsIaudioX5#MarkusHaselboeck - WPS "boeselhack"
- http://www.iaudiophile.net/forums/showthread.php?t=8229 - Viele extrem gute WPS
- http://www.rockbox.org/twiki/bin/view/Main/WebHome?topic=PluginMpegplayer - Das Video-Plugin