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Test: iAudio x5l

Meine Anforderungen
Schon lange war die Platte voll und in meiner Musik-Sammlung hab ich mich auch nicht mehr ausgekannt. Wollte ich Musik mit ins Auto nehmen, musste ich sie entweder auf eine Audio-CD brennen um sie im Autoradio zu hören oder als Daten-CD im tragbaren MP3-CD-Player abspielen. Der aber wollte immer am Strom angeschlossen sein. Und der Wust an CDs im Auto war auch nicht der Hit. Eine Lösung musste her! Schon länger gab es da den iPod, aber aus verschiedenen Gründen war er keine Alternative, dazu später mehr. Da bin ich zufällig bei Amazon auf den Cowon iAudio X5 gestoßen. Klein, schwarz, viel Platz und gute Bewertungen und: schon gekauft. Hab ja 14 Tage Rückgaberecht.

Der erste Eindruck
Nur zwei Werktage später war das Paket dann auch schon da. Ungeduldig geöffnet und gestaunt: Was? So klein? Beim ersten mal in der Hand halten dann dieses komische Gefühl das einem sagt: Vorsicht! Teuer und Empfindlich. Das hat sich dann aber bald gelegt und nachdem die ersten paar Giga-Byte auf der große Platte verstaut waren kam die große Erleichterung: Musik spielen kann er auch. Das war erst mal das wichtigste. Jetzt konnte ich mich um den Rest kümmern.

Das Äußere
Es gibt Bilder, auf denen ist der X5 neben einem iPod zu sehen. Hätte ich vom iPod noch nie was gesehen oder gehört, ich hätte beide trotzdem sofort den Lagern Windows und Mac zuordnen können. Denn der X5 sieht zwar schön und edel aus, hat aber insgesamt vier Knöpfe, zwei Stecköffnungen, eine LED und ein Display, das ca. 2 mm wulstig auf der Vorderseite hervor ragt. Andersrum gesagt: Der iPod sieht stylischer und weniger technisch aus und die Bedienelement machen einen (sorry an alle iPod-User) idiotensicheren Eindruck. Das der Cowon das Scroll-Wheel von Apple nicht übernehmen konnte, hat patentrechtliche Gründe und Apple weiß auch, warum sie diese Technik schützen. Denn der Joystick des X5 ist zwar auch einfach zu bedienen, ist aber, (un)dank des hervorstehenden Sticks, nicht vollkommen flach. Daher hat man immer etwas Angst um den Stick, wenn man das Gerät in die Hosentasche steckt. Auch geht der Stick nicht ganz in die Ausgangslage zurück, was aber nur optisch stört.

Die Bedienbarkeit
Wenn Cowon schon nicht das Wheel "klauen" konnte so haben sie wenigstens die intuitive Menüsteuerung des Finders eingebaut. Ordner oder Datei auswählen mit Joystick nach oben und unten, Ordner oder Datei öffnen mit Joystick nach rechts, Ordner verlassen mit Joystick nach links. Auch das Menü ist so organisiert. Bei einem Druck auf den Joystick öffnet sich ein Popup-Menü mit zwei bis drei Optionen, was es dann auch erlaubt, einen Ordner mit Unterordnern komplett abzuspielen. Die "Play/Pause"-Taste ist gut auf der rechten Seite zu erreichen und dient mit der "Record"-Taste zusätzlich der Navigation im Menü. Die verschiedenen Modi des X5 kann man auswählen, wenn man lange auf den Stick gedrückt hat.

Die Funktionen
Leider sind der "Picture"- und der "Digital AV"- Modus (also MP3-Player) nicht gleichzeitig zu nutzen und so entfällt von vornherein auch die Möglichkeit, sich zum aktuellen Album das Cover anzeigen zu lassen. Nicht das ich es bräuchte. Immerhin kann man sich ein Bild als persönlichen Hintergrund auswählen. So hat mein X5 jetzt das selbe Wallpaper wie mein Windows. Der Bildbetrachter selbst ist ganz nett, irgendwie aber in dieser Bildschirmgröße sinnlos. (Gut, Leute, die auf den Pixelbrei ihres Foto-Handys stolz sind, werden die Bildqualität des X5 als umwerfend erachten.) Man kann sich sogar eine Übersicht über alle Bilder anzeigen lassen.
Was viel besser ist als jedes Miniatur-Foto ist die Text-Funktion. Die erlaubt es nämlich, sich während des Musikhörens Text-Dateien durchzulesen. Nicht, dass ich auf dem X5 jetzt einen Roman lesen wollte, aber ein paar nette Kurzgeschichten oder aber meine Kochrezepte sind schon drin.
Auch kleine Filmchen kann man sich anschauen, aber will ich das wirklich? Nein! Als "Dein ipod kann das nicht"-Gimnik ganz nett, aber das war es dann auch.
Sollte man seinen Ohren allen Ernstes mal den musikalischen Einheitsbrei der deutschen Radiosender zumuten wollen, so geht das ohne Probleme. Die Frequenzen werden recht gut erkannt, Sedername per RDS ist dann aber zuviel verlangt. Immerhin kann man die Frequenzen speichern, leider aber auch hier keine Namen vergeben. Aber das man Bayern5 (ein hörbarer Info-Sender) auf Speicherplatz fünf gespeichert hat, kann man sich ja merken, oder?
Für die schnelle Notiz nebenbei kann der X5 sogar mit seinem Mikrofon Stimmen aufzeichnen, was ich aber bis jetzt noch nicht gebraucht und daher auch noch nicht getestet habe. Genausowenig wie die Direct-LineIn-Encode-Funktion, obwohl das wohl mal sehr interessant wäre.
Der USB-Host-Betrieb erlaubt es, von anderen USB-Geräten, die auch als Wechseldatenträger erkannt werden, Dateien zu kopieren und auf sie zu schreiben. Nur leider ist der Anschluss dafür hinter einer billigen, schwer zu öffnenden Plastikklappe verborgen und man muss erst ein zusätzliches Kabel anschließen, um ihn nutzen zu können. An die gleiche Buchse kann man auch andere Geräte stecken, die dann via USB-OTG (USB on the go) angesprochen werden. Leider sind das noch nicht viele, meine Digital Ixus v2 ist jedenfalls nicht dabei, aber Cowon erweitert seine Firmware ständig.
Zum Thema Firmware. Ein Update derselben ist ohne großes Problem möglich und die Menge an Releases lässt hoffen, dass Cowon die Anregungen seiner Kunden erhört.

Der Ton
Durch neue Firmware wird auch die Unterstützung für verschiedene Formate immer weiter ausgebaut. Das ist nicht wirklich nötig, denn der X5 kann schon von Hause aus, was andere nicht können: den möchtegern mp3-Nachfolger ogg-vorbis und das verlustfreie Format flac. Das können nicht viele und das war dann auch ein Grund für den X5.
Ich habe jetzt keine Messungen vorgenommen und mein Gehör ist auch nicht grade das, was man absolut nennt, aber ich finde den Ton vollkommen gut. Kein Rauschen, was Klassikstücke stört oder sonstige Auffälligkeiten.
Dafür patzt das Gerät an andere Stelle: "gapless playback" - unterbrechungsfreies Abspielen von aneinander hängenden Tracks. Will man also den neuesten DJ-Mix in einzelne Stücke unterteilen um schnelle hin und her navigieren zu können, so muss man sich mit mindestens 0.012 Sekunden (grob gemessen, siehe Download) Lücke zwischen den Tracks abfinden. Und das nur bei WAV. Bei mp3 kommt man auf 0.086 Sekunden und bei flac je nach Komprimierungsstufe auf 0.019 bis 0.033 Sekunden, und das obwohl flac per Design gapless ist. Und auch bei ogg-vorbis ist unterbrechungsfreies Abspielen von Hause aus dabei. Doch davon merkt man nichts, denn die Lücke wird hier zu nervigen 0.512 Sekunden. Bei mp3 merkt man die Lücke fast nicht, aber dennoch beliebt ein blödes Gefühl, dass so ein teurer Player solche altbekannten Probleme nicht löst. Und Cowon arbeitet daran im Moment nicht, denn ID3-Tag-Navigation hat Vorrang. Denn der iPod hat das ja auch (wie auch das Problem mit gapless playback).

Die Daten
Seine musikalischen Schätze muss man nämlich selbst ordnen. Der X5 bietet, aktuell, keine Navigation über die ID3-Tags. Er zeigt sie an, aber um ein Lied zu finden, muss man sich durch die, hoffentlich sinnvoll, selbst erstellte Ordnerstruktur hangeln. Das habe ich persönlich schon immer auf meinem PC gemacht und habe daher überhaupt kein Problem damit. Hätte ich die Wahl, würde ich es sogar bevorzugen. Man kann auch Playlists anlegen, die aber in einen speziellen Unterordner müssen. Dieser fasst nur 99 m3u-Playlisten und darf keine Unterordner haben. Wäre das möglich, könnte man das ID3-Tag-Browsing leicht durch per Skript erstellte Playlists ersetzen.
Die Datenübertragung ist einfach. Gerät anschließen und fertig. Unter XP und Mac 10.4 Tiger wird es als Wechseldatenträger erkannt und kann einfach per Drag-and-Drop bespielt werden. Das soll auch unter Linux gehen, aber das konnte ich noch nicht testen. Auf der Platte sind schon einige spezielle Ordner erstellt, die ziemlich selbsterklärend sind. Man bekommt seine Dateien auch wieder zurück, anders als zum Beispiel beim iPod. Daher eignet sich der X5 nicht nur als riesiger USB-Stick sondern auch dazu, alle sein Musik-Dateien darauf auszulagern. Dumm nur, wenn er dann geklaut wird oder etwas zu stark auf den Boden prallt.

Der tägliche Gebrauch
Seit ich den X5 habe, komme ich kaum noch dazu FM4 (der Sender schlechthin) zu hören. Denn das Gerät läuft den ganzen Tag. Mit der optionalen Dockingstation (die ich mir wohl noch kaufen muss) kann man ihn dann einfach an der Stereoanlage anschließen und hat dann sofort volle Lautstärke auf dem Line-Out. Aber der mitgelieferte Stöpsel tut das gleiche, hat alle Anschlüsse (also USB, Line-In und Out, Lade-Strom), ist aber recht klein und unschön. Im Auto an ein extra Kabel gehängt versorgt er mich auch da mit Musik, nur ein bestimmtes Lied suchen sollte man nicht, das kommt SMS-Tippen beim Autofahren gleich.

Warum keinen iPod?
Mit dem iPod kann man keine Filme abspielen! Gut, zu den echten Gründen:

  • Einen iPod muss ich mit iTunes bespielen, oder mit anderer Software, aber ich brauche dazu Software. Der X5 wird als Wechseldatenträger erkannt.
  • Vom iPod bekomme ich mein Musik nicht wieder runter, der iAudio ist wie eine weitere Festplatte.
  • Der iPod passt sich seinem Wirts-Betriebssytem an und ist dann entweder Mac- oder Win-iPod, der X5 ist vom Betriebssytem unabhängig.
  • politische Gründe. Ich bin nun mal Windows-User, sorry! Und diesem Lifestyle-Gehabe geb ich mich auch nicht hin!


Wichtiges in Kürze
Meine Gerät: X5L 30 GB
Festplattenkapzität: 30 GB
Laufzeit: angeblich 30 Stunden, nicht getestet, aber für eine Woche normalen Gebrauch reicht es locker
Handbuch: unter aller Sau, selbst das mitgelieferte PDF bietet nicht mehr
Formate: MPEG1/2/2.5 Layer 3, WMA, OGG, ASF, FLAC, WAV (11/22/44Khz,16Bit,MONO/STEREO), XviD MPEG 4 Video, JPEG, TXT
Display: 160 x 128 Pixel, 260,000 color TFT-LCD
Betriebssysteme: Microsoft Windows 98/98se/ME/2000/XP, MAC OS 9.X/10.X, Linux Kernel ab v2.2

Fazit
Der X5 ist alles in allem ein super Teil, auch wenn sich dieser Bericht vielleicht nicht so anhört. Aber das mag erstens daran liegen, dass er sein Hauptaufgabe, nämlich Musik zu spielen, unspektakulär aber zuverlässig verrichtet und zweitens daran, dass man bei einem ca. 380 Euro teuren Gerät irgendwie noch mehr erwartet. Aber eventuell bringt ja ein Firmwareupdate Neues oder die Rockbox-Firmware wird auch für iAudio Geräte kompatibel.
Bis da hin genieße ich einfach die gute Musik.

Das Fazit nach sechs Monaten
Jetzt, ein halbes Jahr nach dem Kauf, ist die „Ich hab was Neues“-Euphorie vorbei und eine abschließende Betrachtung wird nicht mehr ganz so stark vom Preis beeinflusst.

Also, was muss noch gesagt werden? Folgendes:

Die Firmwareupdates von Cowon betreffen schon nicht mehr den X5 sondern die neueren Modelle. Ob es für den X5 überhaupt noch eines geben wird, ist nicht sicher. Der Zusatz „beta“ zum letzten Update lässt zwar hoffen, aber ich zweifle... Immerhin: es gab ein Update, mit dessen Hilfe man jetzt auch DRM geschützte WMAs abspielen kann (also Kaufmusik). Dafür gibt es aber immer mehr Mithelfer bei Rockbox, die versuchen, diese alternative Firmware auf dem X5 zum Laufen zu bringen. Leider gibt es hier noch keine lauffähige Version.

Kurze Zeit nach dem Kauf hat Cowon den M5 veröffentlicht. Wenn man der Firmenwebsite trauen kann, ist dieses Modell nichts anderes als der X5 nur ohne Videofunktion und ohne Farbdisplay. Damit wäre dieses Modell für mich interessanter gewesen als der X5, zumal es auch noch deutlich billiger ist.

Im täglichen Gebrauch macht sich der X5 recht gut. Vor allem, dass man die Musik, die man grade noch zu Hause auf dem Sofa gehört hat, einfach mit ins Auto nehmen kann, macht Laune. Leider darf man in Deutschland keine Miniatur-FM-Sender betreiben, denn sonst könnte man ohne Probleme die Musik an jedem Radio abspielen. So muss man eben immer ein Line-In-Kabel dabei haben und hoffen, dass die Stereoanlage solch einen Eingang hat.

Störend ist, dass das Gerät beim ersten Einschalten nachdem man es am Computer hatte, eine halbe Ewigkeit braucht, bis es zum abspielen breit ist und es dann vor allem vergessen hat, wo es beim letzten mal war.

Überhaupt hat die Resume-Funktion ein kleines Problem. Spielt man einen Ordner bis zum letzten Lied ab und schaltet nach dem Ende des letzen Tracks aus (oder lässt das die Energiesparfunktion) spielt der X5 beim nächsten Einschalten wieder einen Teil des letzten Tracks, anstatt in den Stop-Mode zu gehen.

Die Zwischenspeicherfunktion ist etwas schlecht implementiert, denn für jedes Lied wird die Platte neu hochgedreht um es zu puffern. Das macht sich besonders störend bemerkbar, wenn man schnell durch ein Album skippen will. Schafft man es vor dem Spindown der Platte geht das schnell und ohne Warten. Aber so schnell, wie die Platte wieder ausgeht kann man sich kein Bild von einem Lied machen und so wartet man eben immer eine kurze Zeit (ca. 1 sec) bis man beim nächsten Lied ist.

Dennoch, ich bereue den Kauf nicht. Eventuell wäre zwar der M5 für mich passender gewesen, aber der kam leider etwas zu spät. Eine direkte Kaufempfehlung kann ich nicht abgeben, falsch macht man aber auch nichts.

Links zum Thema

 

Testsamples Gapless-Playback